Ein Ort für „Sternenkinder“
Friedhof für totgeborene Kinder in den ersten fünf Schwangerschaftsmonaten

Ein Ort der Trauer für Eltern, die in den ersten fünf Schwangerschaftsmonaten ihre Kinder verloren haben: Am städtischen Friedhof im mittelfränkischen Lauf entsteht ein kleines Gräberfeld für diese so genannten „Sternenkinder“. Dort werden zwei Mal jährlich in den Krankenhäusern und bei Frauenärzten abgegangene Föten unentgeltlich und im Rahmen einer würdevollen Feier bestattet, erstmals am 25. April 2009.
„Gerade die betroffenen Frauen leiden irgendwann mit Sicherheit furchtbar an diesem Verlust“, erklärte Caritasvorsitzende Angela Henke in einem Gespräch der Projektgruppe. Der katholische Verband, die Diakonie, die Krankenhäuser, Bestatter, die Kirchen, die Stadt Lauf und der Landkreis haben sich zusammengetan, um eine Zeremonie anzubieten und eine feste Stätte einzurichten. Damit haben Trauernde noch Jahre nach der persönlichen Tragödie die Chance, die sterblichen Überreste ihres verlorenen Fötus an einem bestimmten Ort zu besuchen.
Oft ist den Eltern dieses Bedürfnis nicht sofort klar. Monate bis viele Jahre nach einem Abgang oder einer Abtreibung bringen psychische Probleme sie aber an den Punkt, den Verlust als die Ursache zu erkennen. „Anders als Männer haben werdende Mütter ein starkes inneres Erleben“, versuchte Henke zu verdeutlichen, worum es bei dem sensiblen Thema geht. Umso schlimmer ist es, nicht zu wissen, wo diese verlorene Leibesfrucht „jetzt ist“, zumal sie meist auch mit vielen Hoffnungen und Wünschen verbunden war.
Angestoßen hat diese „Sternenkinder“-Initiative die Bestatterin Cornelia Pfister aus Schnaittach. Selten hatte sie bisher Beerdigungen von Fehlgeburten. „Den Eltern ist die Notwendigkeit auch deshalb nicht bewusst, weil Frauenärzte kein großes Aufhebens darum machen und Abgänge, wie bisher auch im Krankenhaus üblich, einfach entsorgen“, erklärt sie. Die unverarbeitete Trauer bricht dann nicht selten Jahre später durch einen kleinen Anstoß neu auf.
Pfisters Anliegen stieß zuerst bei der Caritas, die die Initiative in die Hand nahm, und dann bei allen weiteren Beteiligten auf offene Ohren. Auch weil seit 2006 in Bayern eine wenig bekannte gesetzliche Bestattungspflicht für Tot- und Fehlgeburten unter 500 Gramm besteht. Das entspricht etwa dem fünften Schwangerschaftsmonat. Sofern Eltern dies nicht selbst übernehmen, schreibt der Gesetzgeber Sammelbestattungen in „bestimmten zeitlichen Abständen“ vor.
“Diese Vorgabe ist im Landkreis noch nicht bekannt, deshalb gehen wir an die Öffentlichkeit“, sagte Caritas-Geschäftsführer Michael Groß. Er und alle Mitstreiter verstehen das auch als Verpflichtung, „Sternenkinder in einer würdigen Art und Weise zu bestatten“ - und zwar unentgeltlich: Die Krankenhäuser bewahren die Föten bis zur Beerdigung auf, auch Ärzte können und sollen die in ihrer Praxis abgegangenen „Sternenkinder“ dorthin bringen. Die Bestatter Cornelia Pfister und Thomas Danner (Birkmann) steuern kostenlos kleine Sammelsärge bei, die Stadt Lauf spendiert außer dem Gräberfeld am Laufer Kinderfriedhof bis zu 5000 Euro für einen künstlerisch gestalteten Grabstein. Auch die komplette Ausrichtung vom Bestatter über den ökumenischen Gottesdienst bis hin zur Grabpflege tragen die Mitglieder der Projektgruppe.
Noch offen ist die Frage, ob es bei einem Gräberfeld für den ganzen Landkreis bleibt. Im Gespräch sind auch weitere Standorte in Hersbruck und Altdorf. Die Initiatoren sind offen; am wichtigsten ist ihnen, dass in jedem Fall die Anonymität der Eltern gewahrt bleibt. Hersbruck favorisiert eine zentrale Stätte, also Lauf. Altdorf hat sich noch nicht geäußert. Der katholische Altdorfer Dekan Albert Börschlein wies ausdrücklich darauf hin, dass Eltern immer auch die Möglichkeit zur Beerdigung am kirchlichen Ortsfriedhof hätten.
Die Projektgruppe macht betroffenen Eltern zudem Mut, persönlich nach Hilfe oder Beistand zu fragen. Hebamme Sarah Krug bot dies stellvertretend für ihre Kolleginnen an, ebenso die evangelische und die katholische Kirchengemeinde Lauf, die Bestatter Pfister in Schnaittach und Birkmann in Lauf sowie Caritas und Diakonie mit ihren vielfältigen Beratungen. Zwei Mal jährlich sollen die Sternenkinder in Lauf bestattet werden, immer am 2. Donnerstag im April und im Oktober.
Weitere allgemeine Infos gibt es im Internet unter:
Michael Scholz

