Der ökumenische Chor im Olympiadorf in München

Einerseits ist der Ökumenische Chor im Olympiadorf in München ein Chor wie viele andere. Wir sind eine Gruppe von rund fünfundzwanzig engagierten musikalischen Laien, die sich einmal wöchentlich zur Chorprobe trifft und sechs- bis achtmal im Jahr das Ergebnis dieser Probenarbeit in einem Gottesdienst öffentlich präsentiert. Mit vielen anderen Chören teilen wir auch die typischen Probleme: es sollten mehr Tenöre und Bässe dabei sein, und frischer Nachwuchs würde auch nicht schaden. Andererseits ist dieser Chor durchaus etwas Besonderes, denn auf seine Weise stellt er seit einem Vierteljahrhundert gelebte Ökumene dar.
Genaugenommen ist der Ökumenische Chor eine mittelbare Folge der Olympischen Spiele von 1972 in München, denn bei der Errichtung des Olympischen Dorfes wurde ein gemeinsames Kirchenzentrum für die Sportler aller Konfessionen konzipiert. Als nach dem Ende der Olympiade und dem Abzug der Sportler das Olympiadorf „bevölkert“ wurde, entstanden unter dem gemeinsamen, gleichsam ökumenischen Dach des Kirchenzentrums die katholische Gemeinde Frieden Christi und die evangelische Gemeinde Olympiakirche. Aus der zunächst nur räumlichen Nähe entwickelte sich im Laufe der Jahre zunehmend auch eine konkrete Zusammenarbeit auf vielen Ebenen und ein selbstverständliches Miteinander der beiden Konfessionen, das nicht zuletzt getragen wurde von der Persönlichkeit der Pfarrer beider Gemeinden. Es ist daher kaum verwunderlich, dass auf diesem ökumenischen Nährboden im Jahre 1984 der Gedanke geboren wurde, die beiden inzwischen entstandenen Kirchenchöre unter der Leitung des jeweiligen Kantors der evangelischen Gemeinde zusammenzufassen.
Bereits nach kurzer Zeit entstand daraus eine feste Institution im Olympiadorf. Wir Chormitglieder empfinden es als ganz normal, dass wir abwechselnd als integrierter Bestandteil der katholischen Messe bzw. des evangelischen Gottesdienstes auftreten und auf diese Weise nicht nur am kirchlichen Leben beider Konfessionen teilhaben, sondern auch besondere Ereignisse in beiden Gemeinden mitgestalten.
Vielleicht ist dies auch einer der Gründe für die Langlebigkeit unseres Chors, der im Frühjahr 2009 sein 25jähriges Bestehen feiert. Dazu kommen ein guter sozialer Zusammenhalt der Gruppe und der Zuschnitt unseres breitgefächerten Repertoires, das von Orlando di Lasso über Bach und Mozart bis zu Strawinsky und Arvo Pärt reicht. Wir haben Messen von Mozart, Schubert, Dvorak und Langlais gesungen, ebenso Motetten und Chorsätze von Schütz, Brahms, Mendelssohn, Distler und Kaminski, um nur die wichtigsten Komponisten zu nennen.
Wie schon gesagt, der Ökumenische Chor im Olympiadorf in München ist ein Chor wie viele andere, er ist nicht groß, aber etwas Besonderes ist er eben doch, und darauf sind wir stolz.
Uwe Schönfeld, Chormitglied

