ORtwechsel - WORTwechsel

Kunst verbindet zwei Kirchen

Ein quietschgelber Ballon mit Fragezeichen schwebte über der St. Anna-Kirche im Lehel. Das war am 11. bis 13. September ein echter Hingucker. Aber nicht der einzige. Vom Portal der St. Anna-Kirche zog sich ein gelber Strich, der immer wieder auf dem Asphalt und Pflaster Richtung St. Lukas auftauchte. Und an Wänden, Schaufenstern und Schaltkästen regten Sprüche zum Lesen, Nachdenken und Verweilen an.

Im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentags 2010 haben sich Münchner Künstler mit der Frage beschäftigt, was verbindet und was trennt die evangelische St. Lukas-Kirche an der Isar von der katholischen St. Anna-Kirche im Lehel. Unter dem Titel „ORTwechsel", dem im kommenden Jahr das Projekt "WORTwechsel“ folgen soll, zeigten Künstler, was ihrer Meinung nach die beiden Kirchen verbindet.

Andreas Stetka präsentierte die Plakataktion „wuerde“ auf dem Fußweg zwischen den beiden Kirchen. Aus den Buchstaben des Satzes des Grundgesetzes „die wuerde des menschen ist unantastbar" wurden im alten Spiel des Anagramms neue Sätze gebildet wie „wie nett dem suender satan schien". Plakate mit Anagrammen hingen an Laternenmasten, Trafokästen und Bauwänden. Ergebnis war ein „Lese-Parcours", der in Manier einer „Schnitzeljagd" Passanten zu einer „Wortwanderung" animierte.

Von Stetka stammt auch die Videoarbeit im Untergrund, genauer gesagt im ZKM-Maxforum, dem Kunstraum in der Fußgängerunterführung an der Kreuzung Maximilianstraße und Altstadtring. Sie zeigt eine sich drehende Kirche als ein Zeichen des Um-Sich-Kreisens oder des Umkreist-Werdens, der verzweifelten Suche nach der richtigen Ausrichtung.
Das wirre und irritierende Bild im spärlich erleuchteten Raum verstärkte durch eine Vielzahl an Geräuschen – von einem Cellostück von Johann Sebastian Bach bis zum puren Straßenlärm.

Ekkeland Götze schafft die Verbindung zwischen den beiden Kirchen am deutlichsten. Mit einer gelben Linie verbindet er die beiden Kirchen St. Anna und St. Lukas. Pfeilmarkierungen auf der Linie weisen den Weg.

anna linie  comic

Karina Smigla-Bobinski entwickelte query-online, eine interaktive Multimedia-Installation. Von ihr stammt die Idee mit dem Helium gefüllten riesigen Wetterballon über St. Anna. Ein gelungener Versuch, Besuchern und allen Neugierigen Orientierung zu geben und sie anzuregen, auf die Internet-Seite www.ort-wechsel.de zu gehen und Fotos, Videos und Texte zum Kunstprojekt anzuschauen oder selbst etwas beizutragen.

Fortsetzung folgt mit dem Projekt „WORTwechsel“ im Mai.

Unterstützt wurde das Projekt von der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Bayern, der Kirchengemeinde St. Anna, dem Büro des Ökumenischen Kirchentags Bayern, dem Bezirksausschuss München-Lehel und dem Kulturreferat der Stadt München.