Ökumenische Erziehungsberatungsstelle in Ramersdorf-Perlach

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Ein Quantum Menschlichkeit

 

Die zehnjährige Manuela weigert sich, morgens in die Schule zu gehen, und klagt über Bauchschmerzen. Sitzt sie in der Schule, scheint sie innerlich abwesend zu sein und weiß nie, worüber gerade gesprochen wird. Der sechsjährige Ahmed verstummt allmählich und zieht sich immer mehr zurück. Wenn er sich zu sehr bedrängt fühlt, kommt es zu plötzlichen Tobsuchtsanfällen, die für die anderen Kinder aus heiterem Himmel zu kommen scheinen. Sie meiden ihn zunehmend. Der dreizehnjährige Matthias mag keine Freunde mehr zu sich nach Hause einladen. Er geht zwar zu Klassenkameraden, aber diese klagen schnell darüber, dass er ein Langweiler geworden sei, mit dem man keinen Spaß mehr haben könne.

 

Alle diese Kinder haben eines gemeinsam: einen psychisch kranken Elternteil. Aber sie haben noch eine Gemeinsamkeit: sie und ihre Familien werden in der Ökumenischen Erziehungsberatungsstelle in München Ramersdorf-Perlach betreut.

 

Familiäre Probleme, Entwicklungsstörungen, psychische Erkrankungen, soziale Notsituationen, migrationsbedingte Probleme  –  die Hintergründe für eine Beratung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind so vielfältig wie die Menschen, die die freundlichen Räume der Ökumenischen Erziehungsberatungsstelle betreten. Ökumenisch ist zunächst einmal die Lage mitten zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche. Die Beraterinnen und Berater selbst sind evangelisch, katholisch und jüdisch. Wobei die Konfession nicht in Verbindung mit dem Arbeitgeber steht. „Am Anfang dachte ich, ich werde nie rausfinden, wer hier was ist“ erzählt eine neue Mitarbeiterin. Sie ist evangelisch und beim Caritasverband angestellt. „Aber dann hatten wir Betriebsausflug. Und da wusste ich es gleich.“ Denn unter dem ökumenischen Dach existieren zwei völlig unabhängige Verwaltungsabläufe. Rechnungen, Dienstzeiten, Gehälter, die Kreisläufe von Caritas und Evangelischem Beratungszentrum sind klar von einander getrennt. „Das besondere an uns ist, dass wir es schaffen, trotz aller verwaltungstechnischen Reibungen als Team zusammen zu arbeiten. Die Ökumene ist wie ein Sparring. Wir müssen viel Energie in unser Miteinander investieren, denn die Schnittstellen kosten viel Arbeitszeit.“ Von all dem merken die Klienten nichts. Es ist ihnen auch völlig egal, ob der Berater, dem sie ihre Not anvertrauen, evangelisch ist oder katholisch. Die muslimische Mutter, deren Kind sich nicht im Klassenumfeld integrieren kann, fragt nicht nach der Konfession ihrer Beraterin. „Vor allem unsere bildungsfernen Klienten lesen auf unserem Türschild nicht „ökumenische“, sondern  „ökonomische“ Beratungsstelle,“ erzählen die Leiter lächelnd. Nein, die Konfession spiele bei der Frage nach Beratung keine Rolle. „Aber die Tatsache, dass wir „Kirche“ sind, sehr wohl. Wir überzeugen durch unsere gute Arbeit. Kirche ist für sie gleich Qualität.“ Gleichzeitig bedeutet Kirche aber auch Vertrauen. Kirche ist nicht Jugendamt, ist nicht Behörde. Was hier erzählt wird, bleibt im Raum.

 

 

Logo Evangelisches Beratungszentrum MünchenDer ethisch-moralische Anspruch, der unabhängig von Ämtern besteht, wird geschätzt. Und in ihm finden sich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei aller pluralistischen Aufstellung die gleiche ethische Grundhaltung haben. Es ist das Quantum Menschlichkeit, das bei der Beratung durchscheint, wie ein warmes Licht im Hintergrund. Das spüren die besorgten Eltern, die Kinder und Jugendlichen. Das schlägt eine erste Brücke, öffnet die Tür. Und das für immerhin rund 1400 Personen im Jahr im gesamten Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach. Die Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Psychiater, Psychologen und Psychotherapeuten in der Ökumenischen Erziehungsberatungsstelle sind Ansprechpartner für alle Einrichtungen für Kinder, also für Krippen und Kindergärten, Schule, Horte usw. Und natürlich auch für alle Familien, die bei ihnen Hilfe und Beratung suchen. Und das seit fast 40 Jahren!

 

„2010 ist für uns ein ganz besonderes Datum. Natürlich machen wir mit beim Ökumenischen Kirchentag. Viel wollen wir noch nicht verraten, aber unser Thema wird etwas mit „Gemeindepsychologie“ zu tun haben“, sagen die Leiter übereinstimmend. Wir dürfen gespannt sein!

 

 

Mehr erfahren Sie auf der Homepage der Ökumenischen Erziehungsberatungsstelle.

 

 

 

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